"Sprengstofftest" bei G8 macht keinen Sinn PDF Print E-mail
Written by Channing   
Friday, 22 June 2007 12:22
Am 07.06.07 gab es folgende dpa-Meldung:

"Sprengstoff-Test" bestanden


Rostock - US-Sicherheitskräfte haben die Kontrollen um den G8-Gipfel in Heiligendamm nach dpa-Informationen mit dem Transport einer geringen Menge Sprengstoff getestet. Der in einem Koffer versteckte Plastiksprengstoff vom Typ C4 sei von den deutschen Polizeibeamten an einer Kontrollstelle in einem Auto entdeckt worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag. Obwohl es sich um eine „sehr kleine Menge“ gehandelt habe, schlug die Durchleuchtungstechnik Alarm, hieß es. Daraufhin hätten sich die zivil gekleideten Fahrzeuginsassen als US-Sicherheitskräfte zu erkennen gegeben.


... (dpa)

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=1512245

Bei genauerer Überlegung macht allerdings der Vorfall, so wie er beschrieben ist, keinen Sinn, wie bereits andere Blogger bemerkt haben. Wenn es nämlich ein geplanter Test durch US-Agenten war, was wollten die denn genau testen? Die Meldung suggiert, dass man überprüfen wollte, ob Terroristen, und dabei kommen wohl nur islamische oder linksextreme in Frage, Sprengstoff in die Sicherheitszone von Heiligendamm hätten hineinschmuggeln können. Die Kontrolle passierte nämlich anscheinend an einem Tor am Sicherheitszaun, wo man mit dem Auto durchfahren konnte.

Dort hätte aber niemand ohne Zugangsberechtigung durchfahren können. Sicherlich hätten islamische oder linksextreme Terroristen niemals eine solche bekommen können. Es wäre nämlich die Aufgabe der Sicherheitsdienste gewesen, die Leute, die eine Zugangsberechtigung bekommen, im Vorfeld zu überprüfen.

Wenn es aber nur um die "falsche Zuteilung" von Zugangsberechtigungen ging, dann hätte man sich das mit dem echten Sprengstoff allerdings sparen können. Auch, dass die Polizeiführung nicht über diesen Test im voraus informiert war, deutet darauf, dass die Erklärung "Test" nur eine Ausrede ist.

Weitere Einwände, und eine Beschreibung, wie genau so ein Test durchgeführt wird, berichtet Karl Weiss in seinem Blog:

"... Wenn Journalisten, die ja schon öfter solche Tests durchgeführt haben, so etwas vorhaben, müssen sie feste Vorgehensweisen einhalten, um nicht ins Gefängnis zu wandern. In der Regel wird bei einem Rechtsanwalt eine schriftliche Erklärung hinterlegt, die beschreibt, wer und wie einen Test machen wird, es wird der Chefredakteur vorher eingeweiht, damit er im Zweifelsfall bestätigen kann, es war ein Test und schliesslich - und das ist natürlich das wichtigste, damit der Journalist nicht erst einmal ein paar Tage gesiebte Luft atmet: Die Flughafenbehörde muss vorher unterrichtet werden, damit der Sicherheits-Mann, der den Journalisten eventuell erwischt, sofort an seinen Chef verwiesen werden kann.

Nun, dies alles war offenbar nicht geschehen. Weder wussten die deutsche Polizeioberen vorher von dem Test (sie haben nämlich auf die diesbezüglichen Fragen geschwiegen, im umgekehrten Fall hätten sie es ja laut hinausposaunt) noch war irgendwo eine schriftliche Erklärung hinterlegt worden (die hätte man ja leicht vorzeigen können zusammen mit dem Rechtsanwalt, bei dem sie hinterlegt worden war). All dies wurde nicht getan. Nach einer Stunde von Klärungen (offenbar mit der vielhundertköpfigen US-Delegation) in Heiligendamm wurde Anweisung gegeben, die Agenten laufen zu lassen. ..."

http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=22062007ArtikelPolitik3

 

Last Updated on Friday, 22 June 2007 12:30